Unser Strom

wird in Oberstdorf gemacht

Wasserkraftanlagen der Energieversorgung Oberstdorf

Ökologische und ökonomische Stromerzeugung steht für die Energieversorgung Oberstdorf im Vordergrund. Wir stützen uns auf eine Reihe leistungsstarker Wasserkraftwerke, die über die Allgäuer Bergwelt verteilt sind. Dank der natürlichen Topografie nutzen wir hier nicht nur die Kraft des Wassers, sondern auch saisonale Speichermöglichkeiten optimal aus – und liefern so zuverlässig Spitzen- und Regelenergie. Unsere Anlagen sind ein wichtiges Standbein für ein stabiles Stromnetz und zugleich ein Ausdruck nachhaltiger Innovationskraft. Sie machen Oberstdorf zu einem Vorreiter in der regionalen Energieautonomie.

Luftaufnahme mit Blick über das Wasserkraftwerk Warmatsgund im Birgsauer Tal in Oberstdorf

Wasserkraftwerk Warmatsgund

Baujahr: 1989-1992
Max. Wassermenge: 1.450 l/s
Turbine: Voith-Pelton
Nennleistung: 4.800 kW
Nutzbare Fallhöhe: 374 m
Stromerzeugung/Jahr: ca. 10 Mio. kWh

Das Wasserkraftwerk Warmatsgund steht für zukunftsorientierte, regionale Energiegewinnung in Oberstdorf. Nach frühen Abflussmessungen ab 1963 und intensiven Studien wuchs der Plan, die Wasserkraft des Warmatsgundbaches zu nutzen. Was folgte, war ein anspruchsvoller Weg durch Raumordnung, Wasserrecht und Planfeststellung: Naturschutzbedenken wurden sorgfältig geprüft, Varianten abgewogen und schließlich ein stimmiges Gesamtkonzept beschlossen. 1989 startete der Bau – getragen vom einstimmigen Votum des Gemeinderats. Am 18. September 1992 ging die Anlage in Betrieb. Technisch setzt das Kraftwerk auf ein Oberbecken in rund 1.300 m Höhe. Von dort fließt das Wasser über einen 1.650 m langen Stollen und eine Druckrohrleitung zur Peltonturbine im Krafthaus. Die nutzbare Fallhöhe beträgt 374 m, die maximale Wassermenge 1.450 l/s. Mit einer Nennleistung von 4.800 kW erzeugt die Anlage jährlich etwa 10 Mio. kWh sauberen Strom. Ein zentraler Baustein des Projekts war der Schutz der Landschaft. Anstelle einer oberirdischen Druckrohrleitung entschied man sich bewusst für den aufwendigeren Stollenbau. So blieb der Naturraum weitgehend unberührt; Ober- und Unterbecken wurden landschaftsgerecht modelliert, begrünt und fügen sich harmonisch ein. Auch die Ausleitungsstrecke wurde so konzipiert, dass keine Trockenpassagen entstehen. Das Kraftwerk wurde als Pumpspeicheranlage geplant und zunächst auch so betrieben. Mit dem EEG veränderten sich die Marktbedingungen: Im Sommer lief die Anlage lange im Laufwasserbetrieb, im Winter diente das Oberbecken zur Deckung von Lastspitzen. Seit 2015 arbeitet Warmatsgund wieder ganzjährig als Speicherkraftwerk mit natürlichem Zufluss – flexibel einsetzbar, um auf Last- und Preisschwankungen am Strommarkt reagieren zu können.

2015/16 erhielt die Anlage eine moderne Steuerungselektronik und wurde für häufigere Lastwechsel optimiert. Das Ergebnis: höherer Automatisierungsgrad, mehr Betriebssicherheit und effizientere Abläufe. Heute liefert das Kraftwerk genau das, wofür es gebaut wurde: nachhaltige, verlässliche Energie im Einklang mit der Natur.

Tablet mit 3D-Modell der Turbinenanlage vor dem Gebäude des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf
Turbinenhaus des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf

Wasserkraftwerk Faltenbach

  • Inbetriebnahme: 2011 (Ersatz für Anlage von 1928)
  • Turbine: vierstrahlige Peltonturbine Leistung: ca. 1,6 MW
  • Jahreserzeugung: rund 4 Mio. kWh
  • Fallhöhe: 270 m Wassermenge: bis 690 l/s

In Oberstdorf wird die Kraft des Wassers schon seit über 100 Jahren genutzt. Das Trinkwasserkraftwerk am Kühberg ging 1928 in Betrieb. Mit der Modernisierung und dem Neubau des Wasserkraftwerks Faltenbach ist daraus eine hochmoderne Anlage geworden, die heute einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung des Marktes Oberstdorf leistet. Das ursprüngliche Werk aus den 1920er Jahren lieferte über Jahrzehnte zuverlässig Strom, war jedoch technisch überholt. Erste Überlegungen für einen Ersatzbau gab es bereits in den 1990er Jahren, konkret wurde das Vorhaben 2003. Ein Bürgerentscheid 2008 brachte schließlich grünes Licht für das Projekt. Nach zweijähriger Bauzeit konnte 2011 das neue Wasserkraftwerk Faltenbach offiziell eingeweiht werden. Das moderne Werk nutzt die natürlichen Höhenunterschiede und die Wassermengen des Faltenbachs optimal aus. Durch den Neubau konnte die Stromproduktion im Vergleich zur alten Anlage um ein Vielfaches gesteigert werden. Gleichzeitig wurde großer Wert auf landschafts- und umweltverträgliche Bauweise gelegt – so fügen sich Fassung und Kraftwerksgebäude harmonisch in die Umgebung ein.

Luftaufnahme des Stauwehrs am Wasserkraftwerk Faltenbach in Oberstdorf
Turbine im Wasserkraftwerk Faltenbach in Oberstdorf
Wasserkraftwerk Faltenbach mit Blick auf den Schattenberg in Oberstdorf
Pelton-Turbine mit Düsensteuerung im Wasserkraftwerk Faltenbach

Luftaufnahme des Wasserkraftwerks am Illerursprung mit Blick auf Oberstdorf
Außenansicht des Turbinenhauses am Illerursprung bei Oberstdorf

Wasserkraftanlage Illerursprung

Die Anlage kombiniert mehrere Turbinentypen, um das Wasser je nach Jahreszeit optimal zu nutzen:

  • Schneckenturbine - 1,6 m³/s
  • Durchmesser 2,20 m
  • Fallhöhe 4,2 m
  • Jahresertrag ca. 300.000 kWh
  • Zwei Francisturbinen - 5,5 m³/s
  • Bruttofallhöhe ca. 38 m
  • Jahresertrag Hauptanlage ca. 6 Mio. kWh

Die Stromgewinnung aus Wasserkraft hat in Oberstdorf eine lange Tradition: Schon vor über 100 Jahren wurde an der Trettach Energie erzeugt. Mit dem Kraftwerk Illerursprung wird diese Tradition nun in eine moderne, effiziente und ökologische Zukunft geführt. Die 2,35 km lange Druckrohrleitung aus GFK-Rohren mit einem Durchmesser von 1,8 m verbindet die neue Wasserfassung an der Hermann-von-Barth-Straße mit dem Krafthaus im Weidach.

Modernisierung und Effizienzsteigerung
Das neue Kraftwerk ersetzt die alte Anlage Trettach II. Durch höhere Fallhöhe und größere Durchflussmenge kann nun deutlich mehr Strom erzeugt werden: Mit einer Jahresleistung von rund 6,3 Millionen Kilowattstunden können ca. 1.450 Haushalte klimaneutral versorgt werden – mehr als viermal so viel wie zuvor.

Ökologie und Naturschutz
Neben der Stromproduktion standen ökologische Verbesserungen im Fokus: Fischtreppen und eine Schneckenturbine als Abstiegsmöglichkeit für aufwärts wandernde Fische, Dynamische Restwasserabgabe mit Sommer- und Winterphase, Naturnahe Rückzugsbereiche entlang der alten Trettach-Ausleitungsstrecke.

Planung und Umsetzung
Die Geiger Schlüsselfertigbau GmbH & Co. KG übernahm als Generalunternehmer die gesamte Koordination und Bauausführung. Zunächst wurde die alte Wehranlage abgebrochen, anschließend entstanden: Ein neues Fassungsbauwerk mit Kiesschleuse und Fußgängersteg, Schlauchwehr für Hochwasserschutz, Schneckenturbine für Fischabstieg, Einlaufbauwerk für das Krafthaus. Parallel dazu erfolgten die Rohbauarbeiten des Krafthauses, in dem zwei unterschiedlich große Francisturbinen, Generatoren, Transformatoren und die gesamte Elektroausstattung installiert sind.

Mehrwert für Oberstdorf
Das Kraftwerk Illerursprung vereint gleich drei Vorteile für die Region:

  • Erhöhung der selbst erzeugten regenerativen Energie
  • Hochwasserschutz dank modernem Schlauchwehr
  • Sanierung der Hermann-von-Barth-Straße

Mit der Inbetriebnahme im Februar 2019 setzt Oberstdorf auf lokale, nachhaltige Energie und zeigt, wie Tradition, Technik und Umweltschutz harmonisch verbunden werden können.

Turbinenhalle des Wasserkraftwerks am Illerursprung bei Oberstdorf
Luftaufnahme des Stauwehrs Illerursprung in Oberstdorf

Luftaufnahme des Stauwehrs des Wasserkraftwerks Trettach in Oberstdorf
Stauwehr des Wasserkraftwerks Trettach in Oberstdorf

Wasserkraftanlage Trettach 1

  • Baujahr: 1959 (Umbau & Modernisierung 2023)
  • Turbine: Kaplan-Turbine („Storek Kaplan“)
  • Leistung: 340 kW / 464 PS
  • Fallhöhe: 10 m
  • Maximaler Durchfluss: 4 m³/s
  • Jahreserzeugung: ca. 2.000.000 kWh

Damit trägt die Anlage maßgeblich zur klimafreundlichen Stromversorgung in der Region bei.

Seit über 100 Jahren nutzt die Gemeinde die Trettach als verlässliche Quelle für saubere Energie. Heute steht die Wasserkraftanlage Trettach 1 für nachhaltige Stromerzeugung, regionale Versorgungssicherheit und eine beeindruckende Verbindung von Technik und Natur.

Geschichte und Entwicklung
Bereits 1923 wurde an der „Oberen Mühle“ eine Wasserkraftanlage errichtet. Damals mussten die Baukosten aufgrund der Inflation sogar mit Rundholz bezahlt werden. Mit einer Voith-Francis-Turbine wurde eine Fallhöhe von 6 m genutzt und erstmals Drehstrom mit 400 V erzeugt. Der große Umbau im Jahr 1959 brachte den entscheidenden Fortschritt: Der 300 Meter lange Kanal wurde zum Druckstollen umgestaltet, das Turbinenhaus neu gebaut und die Fallhöhe auf 10 m erhöht. Mit der damals modernen Storek-Kaplan-Turbine und einem Generator von Lahmeyer erreichte die Anlage eine Leistung von 464 PS – ein Meilenstein für die regionale Stromversorgung. Von 2001 bis 2003 wurde die Wehranlage an der Oberen Mühle erneuert. 2023 erfolgte schließlich die Modernisierung der Elektrotechnik, die die Leistung der Anlage nochmals um rund 6 % steigerte.

Ökologie im Fokus
Neben der zuverlässigen Energieerzeugung steht auch der Naturschutz im Mittelpunkt: Eine Fischaufstiegshilfe sorgt dafür, dass Wasserlebewesen die Anlage problemlos passieren können. So bleibt die ökologische Vielfalt der Trettach auch für kommende Generationen erhalten.

Turbine im Wasserkraftwerk Trettach in Oberstdorf
Schaltzentrale im Kraftwerk Trettach in Oberstdorf

Oberbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf

Wasserkraftanlage Oberbecken Warmatsgund

  • Baujahr 2022
  • Ausbauwasser 500 l/s
  • Bruttofallhöhe ca. 25 m
  • Ossberger Turbine 80 kW
  • Fassungsbauwerke mit Coanda Rechen und Tiroler Rechen
  • Druckleitung DN 300 – 600 GGG; PN 10
  • Jahresertrag Ergänzungsanlage ca. 140.000 KWh/a

Mit der Wasserkraftanlage Oberbecken Warmatsgund wurde 2022 eine bestehende Infrastruktur entscheidend erweitert und modernisiert. Hintergrund war die Neubewilligung der Altanlage Warmatsgund: In diesem Zuge nutzte die Energieversorgung Oberstdorf die Gelegenheit, ein zusätzliches Kraftwerk zu errichten, die bestehenden Fassungen zu sanieren und gleichzeitig wichtige ökologische Verbesserungen umzusetzen. Der Grundgedanke war einfach: Zuflüsse aus dem Scheidtobelbach und weiteren Bächen hatten bislang ausschließlich das Oberbecken der Hauptanlage gespeist, ohne selbst Strom zu erzeugen. Mit der neuen Ergänzungsanlage können diese Wassermengen nun direkt genutzt werden. Herzstück ist eine robuste Ossberger-Turbine, die bei einer Ausbauwassermenge von 500 Litern pro Sekunde und einer Fallhöhe von etwa 25 Metern jährlich rund 140.000 Kilowattstunden Strom erzeugt – genug, um etwa 60 Haushalte zu versorgen. Das Wasser wird über modernisierte Fassungsbauwerke mit Coanda- und Tiroler-Rechen gefasst.Von dort gelangt es über eine Druckleitung mit Durchmessern zwischen 300 und 600 mm in das Krafthaus. Die Turbine wandelt die Wasserkraft direkt in Strom um, der ins Netz eingespeist wird.

Parallel zum Neubau wurden die bestehenden Fassungen zum Teil grundlegend saniert: Neue Rechen, eine erhöhte Restwasserabgabe und zwei kompakte Betriebsgebäude sorgen für sicheren und zeitgemäßen Betrieb. Auch Maßnahmen für Hochwasserschutz und ökologische Ausgleichsflächen wurden umgesetzt. Damit steht nicht nur die Energiegewinnung, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Landschaft im Mittelpunkt.

Oberbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf
Technische Wartungsarbeiten am Oberbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf

Die neue Anlage ergänzt das große Wasserkraftwerk Warmatsgund sinnvoll und erhöht dessen Gesamteffizienz. Gleichzeitig zeigt sie, wie durch die Kombination von Sanierung, moderner Technik und ökologischer Aufwertung eine nachhaltige Lösung entsteht, die viele Jahrzehnte bestehen kann.

Wasserschloss am Oberbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf
Baustelle am Oberbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund in Oberstdorf